Manchmal entscheidet im Football nicht die Zahl der guten Momente, sondern die Frage, was eine Mannschaft aus ihnen macht. Die Fighting Farmers Montabaur hatten gegen die Augsburg Centurions viele dieser Momente. Sie starteten stark, führten zur Halbzeit verdient und bekamen auch nach der Pause mehrfach den Ball in aussichtsreicher Position. Doch zu viele Chancen blieben ungenutzt. Augsburg fand dagegen im entscheidenden Moment die richtigen Antworten und gewann am Ende verdient mit 28:20 (7:7, 0:10, 14:0, 7:3).
Bittere Erkenntnis
Für die Farmers war es die vierte Niederlage in Serie. Damit hat sich Montabaur endgültig aus dem Rennen um die Play-off-Plätze verabschiedet. So bitter diese Erkenntnis ist: Die aktuelle Leistung reicht derzeit nicht aus, um sich dauerhaft mit den Spitzenteams der Liga zu messen. Gegen Augsburg zeigte die Mannschaft zwar phasenweise, welches Potenzial in ihr steckt. Über vier Viertel gelang es jedoch erneut nicht, dieses Leistungsvermögen konsequent auf den Platz zu bringen.
1. Quarter
Dabei begann der Nachmittag im Mons-Tabor-Stadion nahezu perfekt. Quarterback Jannik Wagner führte die Offense im ersten Drive zielstrebig über das Feld. Nach einem langen Pass und einem starken Lauf vollendete Jeremiah Bryant die Serie mit einem Fünf-Yard-Lauf zum Touchdown. Jamel Hedhli verwandelte den Extrapunkt zum frühen 7:0.
Augsburg antwortete jedoch umgehend. Khalfani Muhammad lief aus elf Yards in die Endzone, Timo Benschuh sorgte mit dem Extrapunkt für den Ausgleich. Die Farmers blieben mutig, spielten einen vierten Versuch tief in der eigenen Hälfte an der eigenen 34-Yard-Linie erfolgreich aus und erarbeiteten sich weitere Möglichkeiten. Eine Interception beendete jedoch einen vielversprechenden Angriff.
2. Quarter
Im zweiten Viertel übernahm Montabaur zunehmend die Kontrolle. Die Defense blockte zunächst einen Augsburger Fieldgoalversuch an der eigenen Zehn-Yard-Linie. Wenig später fand Jeremiah Bryant die Lücke und trug den Ball über 42 Yards zum 13:7 in die Endzone. Hedhli erhöhte auf 14:7.
Auch defensiv setzten die Farmers weiter Akzente. Augsburg spielte einen vierten Versuch an der Montabaurer 22-Yard-Linie aus, doch die Farmers-Defense hielt stand. Anschließend sorgte Bryant mit einem spektakulären 70-Yard-Lauf bis an die Augsburger Acht-Yard-Linie für das nächste Ausrufezeichen. Die Farmers mussten sich jedoch mit einem Fieldgoal begnügen. Hedhli traf aus 27 Yards zum 17:7-Halbzeitstand.
Die Führung war zu diesem Zeitpunkt verdient. Montabaur hatte das Spiel unter Kontrolle, war körperlich präsent und hatte mehrfach gezeigt, dass die Augsburger Defense verwundbar war. Nach der Pause boten sich den Farmers zudem weitere Gelegenheiten, das Spiel frühzeitig in eine klare Richtung zu lenken.
3. Quarter
Direkt beim Kick-off zur zweiten Halbzeit verlor Augsburg den Ball, den die Farmers sicherten. Wenig später wagten die Centurions an der eigenen 18-Yard-Linie einen Fake Punt, der Pass blieb unvollständig. Montabaur übernahm den Ball somit erneut tief in der Augsburger Hälfte.
Doch aus beiden hervorragenden Ausgangspositionen entstanden keine Punkte. Besonders bitter: An der Augsburger Zwei-Yard-Linie verloren die Farmers den Ball durch einen Fumble. Statt einer möglichen Drei-Score-Führung folgte auf der Gegenseite die Szene, die das Spiel endgültig kippen ließ.
Quarterback Luis Wittmann fand Jalin Goodman mit einem Pass. Goodman entkam der Farmers-Defense und lief über 92 Yards zum Touchdown. Noah Haberer verkürzte mit dem Extrapunkt auf 17:14. Aus einer möglichen deutlichen Führung war innerhalb weniger Augenblicke wieder ein völlig offenes Spiel geworden.
Montabaur verlor nun zunehmend den Faden. Eine weitere Interception brachte Augsburg ein neues First Down an der Farmers-19. Wittmann bediente anschließend Timo Benschuh über 14 Yards zum Touchdown. Haberer verwandelte erneut, die Centurions führten erstmals mit 21:17.
4. Quarter
Die Farmers waren damit unter Druck, fanden offensiv aber nur noch wenige passende Antworten. Zu Beginn des Schlussviertels verkürzte Hedhli mit einem Fieldgoal aus 26 Yards zwar auf 20:21. Die Partie blieb offen, doch Montabaur brachte sich in der entscheidenden Phase mehrfach selbst um eine gute Ausgangslage.
Rund sechs Minuten vor dem Ende sorgten mehrere Strafen dafür, dass aus einer aussichtsreichen Serie ein langer dritter Versuch wurde. Eine Szene, die sinnbildlich für diesen Nachmittag stand: Die Farmers hatten Möglichkeiten, machten sich das Leben aber immer wieder selbst schwer. Auch der folgende Ballbesitz endete mit einem Turnover on Downs.
Augsburg nutzte die Chance konsequent. Goodman brach zu einem 33-Yard-Lauf durch und erzielte 56 Sekunden vor dem Ende den Touchdown zum 27:20. Haberer stellte mit dem Extrapunkt den 28:20-Endstand her.
Gute Phasen allein reichen nicht
So blieb für die Farmers nach einem starken Beginn erneut nur die Erkenntnis, dass gute Phasen alleine nicht reichen. Montabaur hatte mehrere Möglichkeiten, das Spiel zu seinen Gunsten zu entscheiden. Zwei Ballgewinne zu Beginn der zweiten Halbzeit, eine Offense an der gegnerischen Zwei-Yard-Linie und weitere aussichtsreiche Feldpositionen blieben ohne Ertrag.
Augsburg zeigte sich in der zweiten Halbzeit abgeklärter, bestrafte die Fehler der Farmers konsequent und verdiente sich damit den Sieg. Montabaur dagegen muss nach der vierten Niederlage in Folge anerkennen, dass die Play-offs in dieser Saison kein realistisches Ziel mehr sind.
Nun geht es darum, die verbleibenden Spiele zu nutzen, wieder Stabilität zu entwickeln und die guten Ansätze über eine komplette Partie auf den Platz zu bringen. Denn auch gegen Augsburg war zu sehen, was möglich ist. Ebenso deutlich wurde jedoch, warum es derzeit nicht für mehr reicht.
Foto: Elembee – Lena Brüngel
Text: Tom Neumann (Studio Fischkopp)





