Das war ein Arbeitssieg, eingefahren mit einer großen Portion Moral und Willen: Die Fighting Farmers Montabaur haben auch ihr zweites Heimspiel in der GFL2 Süd gewonnen und die Gießen Golden Dragons vor 650 Zuschauern im Mons-Tabor-Stadion mit 38:24 (7:7, 9:14, 19:3, 3:0) geschlagen. Ein Sieg, der am Ende ganz wertvoll sein kann für die (Weiter)Entwicklung der Mannschaft.
Geduld und die Fähigkeit, sich in ein Spiel hineinzukämpfen
Dabei sah es im zweiten Viertel zwischenzeitlich so aus, als könnten die Gäste aus Mittelhessen das Spiel an sich reißen. Gießen präsentierte sich offensiv variabel, schnell und schwer auszurechnen. Quarterback Isaac Bernard verteilte die Bälle sicher, die Dragons wechselten geschickt zwischen kurzen Pässen, tiefen Bällen und trickreichen Spielzügen. Beim 10:21 aus Sicht der Farmers war das Momentum klar auf der Seite der Gäste.
Doch genau in dieser Phase zeigte Montabaur, was dieses Team auszeichnen kann: Moral, Geduld und die Fähigkeit, sich in ein Spiel hineinzukämpfen. Nach der Pause ließen die Farmers defensiv nur noch drei Punkte zu. Offensiv legten sie im dritten Viertel starke 19 Punkte nach und drehten die Partie endgültig.
1. Quarter
Der Start hätte aus Sicht der Gastgeber kaum spektakulärer sein können. Gleich im ersten Spielzug der Partie nahm Jeremiah Bryant den Ball und lief über 70 Yards in die Endzone. Jamel Hedhli verwandelte den Extrapunkt zum 7:0. Ein Auftakt nach Maß, ein Statement mit dem ersten Snap. Doch Gießen antwortete. Jake Robin Höchst fing einen kurzen Pass von Bernard zum Touchdown, Leon Pitzki traf zum 7:7. Ärgerlich aus Sicht der Gastgeber: Die Defense hatte Gießen eigentlich bereits auf Fieldgoal-Niveau gestoppt, doch zu viele Strafen hielten den Drive der Gäste am Leben.
2. Quarter
Im zweiten Viertel übernahmen die Golden Dragons zunächst mehr und mehr die Kontrolle. Bernard fand Nicholas Johnson zum Touchdown, anschließend funktionierte auch ein Trickspielzug mit Ramsay Awuah-Okine. Pitzki erhöhte auf 14:7 für Gießen. Die Farmers blieben durch ein kurzes Fieldgoal von Hedhli zum 10:14 dran, doch Bernard schlug erneut zu: Ein Pass über rund 30 Yards auf Johnson brachte das 20:10, Pitzki stellte per Extrapunkt auf 21:10.
In diesem Moment wirkte Gießen gefährlich nahe daran, davonzuziehen. Doch Montabaur kippte nicht. Wieder war es Bryant, der mit einem Lauf in die Endzone verkürzte. Die Two-Point-Conversion misslang zwar, dennoch gingen die Farmers mit neuem Leben in die Halbzeitpause.
3. Quarter
Nach dem Seitenwechsel veränderte sich das Bild. Montabaurs Defense bekam besseren Zugriff, die Coaches hatten offenbar die richtigen Anpassungen gefunden. Gießen blieb zwar gefährlich, kam aber nicht mehr so frei und flüssig durchs Feld wie noch vor der Pause. Bryant brachte die Farmers mit seinem nächsten Touchdownlauf auf 22:21 heran beziehungsweise in Führung, erneut blieb die Two-Point-Conversion ohne Erfolg.
Gießen antwortete noch einmal durch ein 42-Yard-Fieldgoal von Pitzki zum 24:22. Es sollte aber das letzte Aufbäumen der Dragons bleiben. Danach übernahm Montabaur. Quarterback Jannik Wagner fand Spencer Corona über zehn Yards zum Touchdown, der Extrapunkt misslang, doch die Farmers lagen wieder vorn: 28:24. Wenig später funktionierte die Verbindung Wagner-Corona erneut, wieder über rund zehn Yards zum 35:24 (Zusatzpunkt Hedhli).
4. Quarter
Im Schlussviertel kontrollierten die Farmers das Spiel. Die Defense ließ nichts Entscheidendes mehr zu, die Offense nahm Zeit von der Uhr und Hedhli setzte mit einem 18-Yard-Fieldgoal den Schlusspunkt zum 38:24.
Harter Arbeitssieg
Headcoach Michael Treber sprach anschließend von einem „harten Arbeitssieg“. Seine Mannschaft habe „offensiv wie defensiv den Kampf angenommen“. Gießen sei ein sehr starker Gegner gewesen, in das Spiel habe man sich erst reinarbeiten müssen. „Ich glaube, alle Teams in der Liga sind stark. Manche Systeme passen gut zusammen, manche nicht. Da kommen noch sehr viele gute Gegner auf uns zu“, sagte Treber. Entscheidend sei gewesen, dass sein Team von Beginn an gewusst habe, dass es über vier Quarter gehen werde: „Das haben wir als Aufgabe angenommen, auch als es hin und her gegangen ist.“
Wichtiger Charaktertest
Auch Sportdirektor Kevin Brüngel sah die Partie als wichtigen Charaktertest. „Die erste Halbzeit war das erwartet harte Spiel. Gießen kam mit einer schnellen Offense raus, was wir vorher auch so erwartet hatten. Dennoch haben sie in dem Moment unsere Schwachstellen ausgenutzt“, sagte Brüngel. Umso zufriedener war er mit der Reaktion nach der Pause: „Die Defense-Coaches haben in der zweiten Halbzeit die richtigen Entscheidungen getroffen. So konnten wir Gießen kontrollieren.“ In der Offense habe man den Gameplan über vier Quarter durchgezogen: „Damit bin ich sehr zufrieden.“
Für die Farmers war es ein Sieg, der nicht nur in der Tabelle zählt. Es war ein Erfolg, bei dem Montabaur Rückstand, Druck und gegnerisches Momentum aushalten musste. Und genau deshalb dürfte dieser 38:24-Heimsieg noch länger nachwirken.
Foto: Elembee – Lena Brüngel
Text: Tom Neumann (Studio Fischkopp)






