Hurricanes werden Favoritenrolle gerecht

saarland
Die Niederlage ist deutlich, die Höhe tut weh – doch an Tagen wie diesen muss man bei den Fighting Farmers Montabaur auch mal zwischen den Zahlen lesen können. Die Westerwälder verlieren das Gastspiel beim Erstliga-Absteiger Saarland Hurricanes mit 0:51 (0:7, 0:16, 0:7, 0:21). Verletzungsbedingt extrem gebeutelt war das Team von Headcoach Sebastian Haas „mit extrem dünnen Kader angereist. Viele Jungs mussten heute auf ungewohnten Positionen spielen. Alle haben sich über die gesamte Spieldauer reingehangen und gekämpft. Ich bin trotz des Ergebnisses unheimlich stolz auf das, was die Jungs heute geleistet haben!“
Farmers-Fan zu sein ist dieser Tage nicht leicht. Natürlich wussten sie alle, dass es sehr schwer werden würde in der GFL2. Und natürlich freuen sie sich, wann immer sie bei Auswärtsspielen per Livestream das Spielgeschehen mitverfolgen können. Doch so schmerzhaft wie am Samstag war eine Liveübertragung selten. Das Spielgeschehen war einseitig, aber das war nicht anders zu erwarten. Obendrein aber auch noch zuhören zu müssen, tat doppelt weh. Die Kommentatoren verlegten Montabaur unzählige Male und beeindruckend konstant in die Pfalz, sprachen von den Farming Fighters und sparten auch sonst nicht mit humoristischen Einlagen. Immerhin: Das Bild war stabil, in Neunkirchen schien die Sonne und mit Helene Fischer auf dem Ohr war es erträglich.
Sportlich hatte Farmers-Headcoach Sebastian Haas auf ein Spiel gehofft, in dem seine Mannschaft über vier Quarter ihr Leistungspotenzial abruft. Zu Beginn gelang dies sehr gut. Die Offense bewegte den Ball ansehnlich, wenn auch nicht bis in die gegnerische Endzone. Und die Defense ließ zunächst nur einen Touchdown zu: Hurricanes-Quarterback Brock Dale bediente mit einem Pass Marvin Fuchs, der das Leder ohne Feindkontakt zum Touchdown trug (41 Yards, Zusatzpunkt Philip Gabel). Bitter: Das Muster wiederholte sich im zweiten Quarter zwei weitere Male: Pascal Müller (20 Yards) und erneut Fuchs (40 Yards) fingen Pässe von Spielmacher Dale in der Endzone, ohne dass ein Farmers-Spieler sie gestört hatte.
„Natürlich waren wir in der Passverteidigung anfällig, aber da mache ich niemandem einen Vorwurf“, sagte Farmers-Headcoach Sebastian Haas. „Auf der Safety-Position haben wir zum Beispiel einen Spieler eingesetzt, der vergangene Saison in der U19 seine Rookie-Saison hatte. Da hast du es gegen eine so starke Mannschaft natürlich schwer. Aber alle haben toll gekämpft.“ Weil den Hurricanes zudem ein starkes Fieldgoal durch Philip Gabel aus 43 Yards Entfernung gelang, führten die Gastgeber zur Pause bereits deutlich mit 23:0.
Noch schmerzhafter für Montabaur war aber der Verlust von US-Import Tim Edmonds, den die Unparteiischen kurz vor der Pause vom Feld stellten. Die Westerwälder waren ohnehin stark ersatzgeschwächt angereist: Auf den Linien fehlten nicht nur der verletzte Headcoach Sebastian Haas und Center Martin Brakonier, sondern auch weitere wichtige Leistungsträger. Im Kader standen verletzungsbedingt nur zwei O-Liner. Auf der Running-Back-Position fehlten mit Zain Gower, Thomas Fischbach und Kaleb Leach die ersten drei Optionen. Leach fehlte zudem auch auf der Safety-Position. Dazu musste in Neunkirchen mit Pascal Rogawski einer der besten Receiver und Scorer im Team verletzungsbedingt zur Pause raus. Bei einer solchen Flut an Ausfällen darf man von einem Aufsteiger beim Erstliga-Absteiger schlichtweg keine Wunderdinge erwarten.
Die Farmers waren so ein gefundenes Fressen für starke Hurricanes, die ihrerseits die Rückkehr in die GFL anstreben, auf diesem Weg aber schon zwei bittere Niederlagen einstecken mussten. Nach der Niederlage in Straubing in der Vorwoche sprühten die Gastgeber vor Spielfreude und scorten auch in Hälfte zwei fleißig weiter. Leon Helm etwa, der zu gerne als Moderator auf dem Feld fungiert und über die Maßen viel spricht, lief das Leder sehenswert und mit viel Power zum 29:0 in die Endzone. Auch Kai Hunter schaffte es mit schnellen Füßen den Ball über 12 Yards zum Touchdown zu tragen, obwohl die Farmers ihn eigentlich schon gestoppt hatten. Jan Pietsch fing im letzten Quarter ein 10-Yards-Zuspiel von Spielmacher Brock Dale zum 44:0. Und dann war da noch Marvin Fuchs, der fünf Sekunden vor dem Ende über 20 Yards in die Endzone lief. Richtig – fünf Sekunden vor dem Ende, beim Stand von 44:0. Andere Teams hätten da vielleicht längst abgekniet, Farmers-Headcoach Haas hatte aber Verständnis: „In dem Fall für mich kein Problem, weil sie den Back-up eingesetzt haben, um ihm Spielpraxis zu geben.“
Was bleibt ist eine erneute Niederlage, eingefahren mit dem quasi letzten Aufgebot der Tapferen. Es bleibt aber auch der positive Eindruck einer kämpferisch engagierten Farmers-Mannschaft. Und die pure Freude darüber, dass Montabaur gar nicht in der Pfalz liegt.
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